Spontan präsentieren und StegreifredeRedetechniken für Vorträge, Präsentationen und Stegreifrede
Redetechnik: Widersprüche vereinen
Der Ausgangspunkt für einen Kurz-Vortrag ist in der Regel eine Frage, ein Problem oder ein Thema, bei dem Sie das Für und Wider eines Aspekts oder einen Widerspruch zusammenführen und Ihre eigene Erkenntnis daraus ableiten. Ihr Publikum beteiligt sich gedanklich an Ihren Ausführungen und soll beide Seiten Ihres Anliegens kennenlernen. Erst am Ende soll das Publikum von Ihrer Position überzeugt werden.
Betonen Sie jeweils den Übergang zwischen diesen Schritten. Aus folgenden Widersprüchen ergibt sich ein roter Faden:
„Einerseits ... Andererseits“
„Heute ... Früher“
„Die eine ... Die andere“
„Herr Müller beruflich ... Herr Müller privat“
„Dafür spricht ... Dagegen spricht ...“
Welchen Schluss ziehen Sie daraus? Und was sollen Ihre Zuhörerinnen und Zuhörer am Ende Ihres Vortrags tun oder denken? Sagen Sie zum Beispiel:
„Meine Antwort dazu ist: ... Unterstützen Sie also ...“
„Daraus müssen wir ableiten, dass ... Genehmigen Sie daher ...“
„Die Konsequenz ist ... Überlegen Sie mal ...“
„Der Lösungsweg muss sein ... Nehmen wir uns nun vor ...“
Wann wird die Redetechnik eingesetzt?
Sie können diese Technik bei verschiedenen Anlässen anwenden:
- Entscheidungen analysieren: Führen Sie die Vor- und Nachteile aus und ziehen Sie daraus Ihre Schlussfolgerung.
- Zwischen Handlungsmöglichkeiten abwägen: Führen Sie mehrere Alternativen aus und ziehen Sie daraus Ihre Schlussfolgerung.
- Zusammenhänge aufdecken: Führen Sie Ursache und Wirkung aus und leiten Sie Ihre Bewertung ab.
- Widersprüche klären (zum Beispiel in Diskussionen): Nennen Sie These und Antithese und vereinbaren Sie beides zu einer Synthese, zu Ihrer Lösung.
- Personen ehren (zum Beispiel zum Dienstjubiläum): Betrachten Sie die Eigenschaften der Person aus zwei Blickwinkeln, zum Beispiel als Mitarbeiter und Mensch, und würdigen Sie jeweils besondere Qualitäten und Leistungen.
Beispiel: Redetechnik „Widersprüche vereinen“
Bill Ford, Urenkel von Henry Ford, sprach in einer seiner Reden über die Vereinbarkeit seiner beiden Leidenschaften – Autos und die Umwelt:
Einleitung:
„Von Geburt an und aus eigenem Interesse war ich mein ganzes Leben in die Autoindustrie verwickelt, und in den letzten 30 Jahren habe ich für die Ford Motor Company gearbeitet. Und den größten Teil dieser Zeit habe ich darüber nachgedacht, wie ich mehr Autos und LKWs verkaufen kann.“
Frage/Thema/Problem:
„Heute aber mache ich mir Gedanken darüber, welche Folgen die hohen Verkaufszahlen haben. Was passiert, wenn die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen sich verdoppelt, verdreifacht oder gar vervierfacht?“
Widerspruch:
„Mein Leben wird von zwei großen Leidenschaften bestimmt, eine davon sind Automobile. Ich wuchs mit der Ford Company auf. Als kleiner Junge ... Meine zweite größte Leidenschaft ist die Umwelt. Als kleiner Junge ... Ich entwickelte ein höheres Bewusstsein für die natürliche Welt.
Aber es kam mir nie wirklich in den Sinn, dass meine Liebe zu Autos und LKWs jemals mit der Natur in Konflikt geraten könnte. ... Nach meinem Hochschulabschluss ging ich zu Ford ... Und ich fand heraus, dass meine Professoren nicht ganz falsch lagen. In der Tat waren meine Umwelt-Vorstellungen, als ich nach Detroit zurückkam, nicht so einfach mit denen meiner eigenen Firma und schon gar nicht mit denen der Industrie zu vereinbaren ...
Es gab einige Menschen bei Ford, die meinten, dass dieser ganze ökologische Unsinn einfach verschwinden sollte ...“
Synthese:
„Und ich redete weiter offen über die Umwelt. Und das war genau das Thema, das wir heute Nachhaltigkeit nennen. Und mit der Zeit wurden meine kontroversen Ansichten mehr oder weniger zum heutigen Konsens.
Ich glaube, die meisten Menschen in der Industrie verstehen, dass wir uns dieses Problems annehmen müssen. Und die gute Nachricht ist, dass wir heute die großen Probleme von Autos und Umwelt anpacken ... Wir bringen die Kraftstoffeffizienz ... Und mit neuen Technologien reduzieren wir ...
Obwohl ... kann ich den Tag vor mir sehen, an dem meine zwei großen Leidenschaften – Autos und die Umwelt – tatsächlich in Einklang kommen.“